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Neujahrsempfang - Nachlese |

(aw) Am 7.02. hat der Vorstand Vereinsmitglieder, Freunde und an der Jugendarbeit interessierte Personen aus Kirche und Politik zum traditionellen Neujahrsempfang 2010 eingeladen.
Hey, hier bin ich! konnten über 100 Menschen im voll gefüllten Saal des CVJM-Hauses sagen - der Vorstand begrüßt die Anwesenden mit alkohohlfreiem Sekt und Orangensaft: Danke, dass ihr da seid, dass ihr euch für unsere Arbeit mit Jugendlichen in Jöllenbeck interessiert und uns in vielfältiger Weise unterstützt.

Wer mit Jugendlichen arbeitet und mit ihnen ein Stück Leben teilt, der muss sein Herz und seinen Verstand sehr nah bei den jungen Menschen haben. Dieses macht uns Holger Noack, Bundessekretär für Mitarbeiterbildung des CVJM-Westbundes in seinem lebendigen Vortrag deutlich. Der Pfarrer, der sich selbst als Lobbyist und Anwalt der jungen Menschen sieht, referiert über das Thema:
Hey, hier bin ich! Aufwachsen in einer Welt permanenter Aufmerksamkeit.
Dabei nimmt er ausdrücklich auch die Erwachsene mit in die Verantwortung, einen Blick für die Jugendlichen zu bekommen. Die mit vielen Brillen unterschiedlichster Art und Form dekorierten Tische sollen unseren Blick für die Jugendlichen symbolisch schärfen, denn eine falsche Weichenstellung in diesem Alter ist sowohl für uns als auch für die Jugend tragisch, wenn der Weg nur Richtung Abstellgleis führt.

Jugendliche streben permanent nach Aufmerksamkeit. Dieser Kampf um Aufmerksamkeit ist der moderne Kampf um Anerkennung. Am Beispiel der bei der Jugend so angesagten Casting Shows wie "Germany's next Topmodel" oder DSDS "Deutschland sucht den Superstar" veranschaulicht Holger Noack die Währung der Medien: Aufmerksamkeit. Und zieht daraus Schlüsse für die Gestaltung unserer Jugendarbeit.
Stellvertretend für uns stehen bei den Casting Shows junge Leute auf der Bühne und durchleben die folgenden Gefühlssituationen:
1) Ich werde gesehen. Ich stehe ich Blickfeld. Wie wirke ich auf andere? Ich will so werden, wie er ist! Der Celebrity gibt den Impuls zur eigenen Weiterentwicklung.
Die Jugendarbeit bedenkt: Wir möchten unsere Jugendlichen im CVJM Umfeld positiv prägen.
2) Ich erlebe Solidarität und Konkurrenz gleichzeitig. Im Vergleichen finde ich meinen Platz, und mit dem Platz auch Sicherheit.
Die Jugendarbeit bedenkt: Wie können wir Räume schaffen, in denen ein Abgrenzen und sich Öffnen in Balance erprobt werden können.
3) Ich bekomme ein direktes und ehrliches Feedback. Klartext statt Doppelmoral, Ein klares Nein bietet die Chance, zu Auseinandersetzung und Rebellion. Ich will wissen wie ich wirke, weil ich so erfahre wie ich bin.
Die Jugendarbeit bedenkt: Tacheles reden im geschützten Raum und Kritik einüben.
4) Ich bin stark, wenn ich sowas durchstehe. Man, was bin ich taff! Wer keine Grenzen überschreitet, entwickelt sich nicht sichtbar. Die Qualität der Grenze wird oft erst bei der Überschreitung sichtbar.
Die Jugendarbeit bedenkt: Wo sind die Grenzen gesteckt? Zu enge oder zu weite Grenzen führen zu Konflikten.
5) Mein Ziel: möglichst lange im Spiel zu bleiben.
Die Jugendarbeit bedenkt: Die Jugendlichen werden von uns geprägt, bewußt und auch unbewußt. Die Jugendarbeit hilft, das Jugend sich weiterentwickelt.

Wir danken Holger Noack ganz herzlich, der uns an diesem Vormittag aufgefordert hat die Jugend mutig zu begleiten, statt sie allein zu lassen; der uns ermutigt, den Jugendlichen ehrliche Antworten zu geben und auch unsere Unwissenheit offen zuzugeben.
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